Guestblog Beitrag von Leonie Richartz.

Arbeitsaufwand: ca. 12 Stunden
Materialkosten: ca. 134€ (wenn Ihr alles neu kaufen müsst)
Eingesetzte Materialien:

    • Reinigungsmittel
    • Feines Schleifpapier (ca. 5€/Rolle)
    • Pinsel in verschiedenen Größen (ca. 3€/Stück)
    • Malerkrepp (Abklebeband) (ab ca. 1€/Rolle)
    • Schellack-Sperrfinish von Natural Farben (36€/750ml)
    • PNZ Crayee Silikat-Kalkfarbe Trend #26 (26€/750ml)
    • PNZ Crayee Silikat-Kalkfarbe Basis #02 (13€/140ml)
    • PNZ Crayee Silikat-Kalkfarbe Basis #03 (13€/140ml)
    • PNZ Crayee Silikat-Kalkfarbe Trend #21 (13€/140ml)
    • PNZ Crayee Effektwachs farblos (ca. 24€/250ml)


Ombre Anstriche liegen im Trend

Schon öfters habe ich im Internet Bilder von tollen Möbelstücken gesehen, die in einem Farbverlauf gestrichen sind. Genannt wird der Look dann Ombre oder Balayage, was man ja eher aus der Welt der Haarfärbetechniken kennt. Die Varianten sind ganz unterschiedlich. Manchmal werden mehrere Farben in Blöcken gestrichen, die von Bereich zu Bereich heller werden. Oder eine kräftige bunte Farbe läuft komplett in Weiß aus. Oder mehrere Farben werden fließend ineinander gestrichen.

Von allen diesen Varianten inspiriert, entschied ich mich dazu, so etwas in der Art auch einmal auszuprobieren. Dabei wollte ich aber nicht einfach nur zwei Farben ineinander streichen, sondern ich wollte dem gewöhnlichen Shabby Chic Look noch ein Krönchen aufsetzen. 

Was wäre, wenn eine hübsche Vintage Kommode am Ende nicht nur abgenutzt, sondern gleichzeitig auch etwas vermodert aussieht? Wenn der Anstrich nicht nur abgescheuert, sondern auch farblich verändert ist? Als ob die Kommode lange Zeit in einem feuchten Raum in einem vergessenen Turmzimmer gestanden hätte. So lange, dass Fäulnis vom Boden aus an ihr nach oben gekrochen ist und ihren ursprünglichen Anstrich langsam aufgefressen und geschwärzt hat. Bis sie von jemandem gerettet und in ein warmes Wohnzimmer gestellt wurde… Hach, irgendwie klang das für mich ganz romantisch und mich hatte der Ehrgeiz gepackt. Ob ich das wohl mit einem Farbverlauf hinbekommen würde?


Da hilft nur ausprobieren!

Also brauchte ich jetzt ein tolles Teil, das ich zu meiner verwunschenen Märchenkommode machen konnte. Kurze Zeit später hatte ich ein ganz wundervolles altes Stilmöbel ergattert. Diese Kommode war schon ungestrichen wunderschön und somit hatte sie die besten Chancen, ein ganz besonderes Möbelstück zu werden. 

Gleichzeitig hat sich für mich eine Kooperation mit PNZ ergeben. Das ist ein deutscher Hersteller für unzählige Produkte rund um das Thema Holzbearbeitung. Unter der Marke Crayee bietet er auch hochwertige Kalkfarben an. Als ich gefragt wurde, ob ich die einmal ausprobieren möchte, habe ich natürlich sofort „Ja“ gesagt! Die Gelegenheit mal wieder ein neues Produkt für Euch zu testen! Das Fazit zu den Farben findet Ihr ganz am Ende des Artikels.

Jetzt musste ich nur noch sagen, welche ich Farben ich haben möchte. Vermodertes Holz wird schwarz, also stand eine der Farben schon einmal fest. Dazu passt – wie ich finde – super ein tiefes Weinrot und vielleicht ein paar Abstufungen davon… Kurze Zeit später war das Päckchen da und es konnte losgehen!


1. Reinigen und Anschleifen

Auch wenn meine wundervolle Kommode sehr gepflegt wirkte und auf den ersten Blick überhaupt nicht schmutzig war, reinigte ich sie im ersten Schritt. Denn auf alten Möbeln gibt es immer Ablagerungen, die die Haftung eines Anstrichs vermindern. Ich schnappte mir einen Eimer mit einem starken Fettlöser und schrubbte das gute Stück ordentlich ab.

Anschließend rückte ich den Oberflächen dann noch mit einem feinen Schleifpapier zu Leibe. Dazu rate ich Euch immer, weil die Farbe anschließend einfach eine viel bessere Haftung hat. Dabei ist es gar nicht nötig, den gesamten alten Lack zu entfernen. Ein wenig Anrauen reicht schon, damit der Anstrich ein wenig Grip bekommt.


2. Mit Schellack grundieren

Wie Ihr auf meiner Seite Grundierungen nachlesen könnt, ist es immer ratsam, ein Holzmöbelstück mit einem Isoliergrund vorzustreichen. Eine solche Grundierung stellt einfach sicher, dass später auf dem frischen Anstrich keine Flecken entstehen. Bei dieser Kommode entschied ich mich für eine Schellack-Lösung. Natürlich hätte ich aber auch jede andere Grundierung verwenden können, die ausdrücklich eine Sperrwirkung hat.


3. Grundanstrich mit Crayee Kalkfarbe in Rot

Auch immer ganz wichtig für eine effektive Grundierung ist, dass Ihr sie lange genug durchtrocknen lasst. Nach einigen Stunden war das bei meiner Kommode der Fall und es konnte endlich mit der für mich noch neuen Kalkfarbe losgehen.

Mit einem großen Pinsel strich ich den Korpus der Kommode und die beiden Schubladenfronten im ersten Schritt komplett in einem rötlichen Farbton mit der Nummer 26. Die Farbe ist, wie von einer Kalkfarbe zu erwarten war, relativ dickflüssig und deckt schon beim ersten Anstrich fast perfekt. Somit war das Arbeiten mit der Farbe recht angenehm und schnell waren alle Flächen gestrichen. Auf dem Bild unten könnt Ihr sehen, wie meine Kommode nach zwei Anstrichen aussah.

Nach diesem Anstrich ist mir bei der Farbe besonders ihre extreme Mattheit aufgefallen. Beim Streichen, also während die Farbe noch feucht war, hatte sie noch einen kräftigen Ton und glänzte natürlich etwas. Nach dem Trocknen aber sah die Farbe total anders aus. Natürlich ist es immer so, dass Farbe in nassem Zustand noch nicht so aussieht, wie nach dem völligen Trocknen. Bei dieser Farbe aber ist der Unterschied wirklich enorm! Ich habe das für Euch noch einmal auf einem kleinen Stück Holz veranschaulicht.

Auf der linken Seite ist die Farbe noch feucht, auf der rechten Seite bereits getrocknet. Die Farbe ist viel blasser und vor allem extrem matt geworden. Ich glaube nicht, dass ich das bei anderen Farben bisher in so extremer Form gesehen habe.


4. Schwarz streichen – Part 1

Nach dem Grundanstrich in Rot erfolgte nun der Gammel-Grundanstrich in schwarz. Kalkfarbe ist immer sehr ergiebig. Daher wusste ich, dass ich von dieser Farbe keine große Menge brauchte und hatte mir eine Mini-Größe mit 140ml vom Farbton #02 schicken lassen. Wirklich sehr süß das kleine Töpfchen und vor allen Dingen praktisch, wenn man von einem Farbton nur wenig braucht. Zuerst strich ich die Beine der Kommode komplett deckend mit dem Schwarz an. Anschließend arbeitete ich mich dann ganz vorsichtig weiter am Korpus und über die Schubladen hoch. Das war der Moment, in dem ich das erstem Mal ausprobierte, einen Ombre-Farbverlauf mit Kalkfarbe zu streichen. Zuerst hatte ich überlegt, mit einem Schwamm zu arbeiten. Aber für mich stellte sich der Pinsel bereits als sehr gutes Arbeitsmittel heraus.

Ich nahm jeweils nur extrem wenig Farbe auf meinen Pinsel und strich sie nach oben aus. Je weniger Farbe auf dem Pinsel blieb, desto weiter konnte ich mich nach oben wagen. Denn dann brachte ich nur noch bei sehr starkem Druck der Borsten auf die Oberflächen überhaupt noch schwarze Farbe auf. Auf diese Weise war das Streichen zwar etwas anstrengend, aber ich konnte die Stärke des Farbauftrags perfekt dosieren.

Nach dem Trocknen sah meine Kommode dann so aus:

Auch hier könnt Ihr wieder sehen, wie extrem matt die Farbe geworden ist. Beim Streichen war sie noch tiefschwarz, während sie nach dem Trocknen schon fast als Pastell-Schwarz zu bezeichnen ist. Für mich ein ganz faszinierender Effekt.


5. Bunte Verzierungen

So war mir die Kommode aber noch viel zu langweilig. Aus diesem Grund strich ich nun den Rand der Ablagefläche sowie die Schnitzereien und Griffe mit zwei weiteren Farbtönen an. Auch dafür hatte ich mir zwei von den extra kleinen Größen bestellt. Denn hier hätte sich so eine große Dose Farbe erst recht nicht gelohnt.

Mit einem feinen Pinsel und viel Geduld malte ich zuerst alles in einem Lachs-Rosa an (#21) und ließ die Farbe trocknen. Anschließend überstrich ich dann einzelne Teile noch einmal mit einem helleren Rosa (#03). Was ich immer gerne dazu sage, wenn ich so feine Details male: Wenn Ihr Verzierungen nachmalen wollt, dann macht Euch nicht zu viele Sorgen, wenn Ihr hier und da einmal über den Rand hinausmalt. Denn wie Ihr auch in meinen Tipps nachlesen könnt, ist nach dem Shabby Chic Finish mit Schleifpapier überhaupt nicht mehr erkennbar, ob ihr anfangs perfekt sauber gearbeitet habt oder nicht.

Auf dem Bild unten könnt Ihr sehen, dass ich die Verzierungen an den Beinen und ganz unten am Korpus nicht bunt angemalt habe.

Die Verzierungen an den Ecken links und rechts habe ich auch nur teilweise aufgemalt. Warum? Das könnte Ihr im übernächsten Schritt sehen.


6. Shabby Chic Schliff

Nun war es erstmal Zeit für das klassische Shabby Chic Finish. D.h. ich schnappte mir ein Stück Schleifpapier und schliff Ecken, Kanten und die erhabenen Stellen der Verzierungen ab. Auf diese Weise trat stellenweise wieder das Holz unter der roten Farbe hervor. An den Verzierungen, die mit der bunten Farbe überstrichen worden waren, ergab sich jetzt der tolle Effekt der Multi-Schicht-Methode. Je nachdem wie viel ich von der Farbe abtrug, waren jetzt mehrere Farben zu erkennen. Die Teile, die sowohl mit dem dunklen als auch mit dem hellen Rosa gestrichen worden waren, hatten dabei natürlich den größten Effekt. Beim Abschleifen kamen das dunklere Rosa, das Rot und auch das Holz wieder hervor und ließen diese Stellen besonders interessant aussehen.


7. Schwarz streichen – Part 2

Nach dem Abstauben sah die Kommode nun schon bezaubernd aus. Besonders die Verzierungen wirkten hübsch. Aber wenn ich das Möbelstück so aussehen lassen wollte, als wäre es vermodert, dann waren die Verzierungen jetzt überhaupt nicht authentisch. Denn die Fäulnis hätte ja nicht vor den Verzierungen Halt gemacht, nicht wahr?

Also kam jetzt wieder die schwarze Farbe zum Einsatz. Wieder arbeitete ich mich von unten nach oben am Korpus entlang und gab mir Mühe, dass die Farbe möglichst sanft ausläuft und keine harten Kanten bildet.

Dabei orientierte ich mich an der schwarzen Farbe, die ich zuvor gestrichen hatte und somit überstrich ich zwangsläufig auch einen Teil der bunten Verzierungen wieder. Und das ist auch der Grund, warum ich vorher nicht alle Verzierungen nachgemalt habe. Das waren nämlich genau die Stellen, von denen ich schon wusste, dass sie am Ende sowieso völlig geschwärzt werden würden.


8. Versiegeln mit Wachs

Jetzt fehlte nur noch die Versiegelung. Dazu hatte ich das farblose Effektwachs von Crayee bekommen. Was mir beim Öffnen der Dose sofort auffiel: Das Wachs riecht gut! Bisher habe ich nur mit Möbelwachs gearbeitet, was im besten Fall einen nicht störenden Geruch hatte. Dieses hier ist das erste, an dem ich gerne schnupper. Mit einem fusselfreien Lappen trug ich das Wachs auf allen gestrichenen Flächen auf. Das war der Moment, in dem sich die sehr matten und wirklich sehr pastelligen Farben wieder veränderten. Wie Ihr auf dem Bild unten sehen könnt, nimmt die Farbe nach dem Wachsauftrag wieder den „Wet-Look“ an, den sie während des Streichens hatte.

Die Kommode glänzt nach dem Wachsen zwar nicht nass, hat aber die schöne Farbtiefe zurückbekommen. Und dann war sie fertig! Meine wunderbare und ganz besondere Märchen-Kommode. Der Begriff Shabby Chic reicht bei diesem Stück meiner Meinung nach gar nicht mehr aus. Ich würde sagen, das ist der ultimative Rotten-Shabby-Look. Für mein Möbelstück war es jedenfalls eine Verwandlung vom netten, aber modisch völlig verstaubten Stilmöbel zu einem ausgefallenen Kunstwerk mit ganz viel Charme. Ich denke, das war nicht das letzte Mal, dass ich mit einem solchen Ombre-Farbverlauf gearbeitet habe!


Fazit zu den Crayee Produkten von PNZ

Und was sage ich nun zu den Crayee Kalkfarben?

Ja, ich würde sagen, die kann ich empfehlen. Die Konsistenz der Kalkfarben ist so wie ich sie erwartet habe: Schön dickflüssig und somit super zu verarbeiten. Sie deckt schon beim ersten Anstrich fast perfekt und der Geruch ist völlig unaufdringlich.


Haltbarkeit sehr gut

Wo die Farbe gegenüber den Kreidefarben, die ich sonst nutze aber so richtig punktet, ist die Empfindlichkeit. Oder besser gesagt die Unempfindlichkeit. Denn die Kalkfarbe scheint sich sehr gut mit der bearbeiteten Oberfläche zu verbinden. Das Shabby Chic Finish, also das abschließende Durschleifen der Farbe mit Schleifpapier, war um einiges schwieriger als bei mancher anderen Farbe. Zwar funktionierte es immernoch ganz gut, ich musste aber mehr Kraft aufwenden als gewöhnlich. Das ist für mich das beste Zeichen, dass die Farbe widerstandsfähiger ist als andere.

Auf meinem kleinen Stück Holz habe ich außerdem den Kratztest gemacht. Auf rohem Holz hält die Farbe natürlich grundsätzlich besonders gut. Allerdings musste ich hier schon recht kräftig mit dem Schraubendreher schaben, bis ich auf den Untergrund durchgekommen bin. Ein normales Kratzen hätte hier nichts ausgerichtet.

Also: Besonders gut eignet sich die Farbe, wenn Ihr einen eher beanspruchten Gegenstand streichen möchtet. Sie ist natürlich nicht so unemfpindlich wie beispielsweise eine Acryl-Lack, aber im Kreidefarbe-Kontext hält sie vermutlich mehr aus als andere.


Farbergebnis besonders matt

Außerdem ist die Farbe im Farbergebnis sehr besonders. Ich glaube ich habe bisher noch keine Farbe gehabt, die wirklich so extrem matt ist und bei dem ein Schwarz pastellig wirkt! Allen von Euch, die sich so ein mattes Ergebnis wünschen, kann ich die Farbe also nur ans Herz legen! Allerdings dürft Ihr sie dann nicht abschließend versiegeln, weil dann das Matte und das Pastellige weitestgehend verloren gehen. Da die Farbe aber grundsätzlich nicht extrem empfindlich ist, sollte das bei reinen Deko-Gegenständen kein Problem sein.

Die Farbauswahl ist mit 13 Farbtönen noch nicht besonders groß, dafür gefällt mir aber sehr gut, dass es auch diese kleinen 140ml-Töpfchen gibt. Somit ist man nicht gezwungen, für jeden benötigten Farbton gleich eine große Dose zu kaufen. Und die Farbe ist wirklich sehr ergiebig! Von dem kleinen Töpfchen mit der schwarzen Farbe habe ich weniger als die Hälfte verbraucht! Bei dem dunklen und hellen Rosa kann man noch nicht einmal erkennen, dass ich überhaupt etwas von der Farbe verwendet habe…

Der Preis ist, wie bei Kalk- und Kreidefarben üblich, nicht besonders günstig. Aktuell kostet eine große Dose (750ml) 26€ und eines der kleinen 140ml-Töpfchen 13€. Das liegt ungefähr im Mittelfeld und somit gibt es hier nichts Besonderes anzumerken.

Und nicht zu vergessen: Das Möbelwachs mag ich wirklich sehr gerne! Natürlich muss man beim Auftragen auch Handschuhe tragen, denn gesund ist es nicht für die Haut. Aber es riecht total lecker und somit macht das Arbeiten damit mehr Spaß, als wenn man die ganze Zeit einen fiesen chemischen Geruch in der Nase hat.

Wenn ich meine übliche Bewertungsskala für Kreidefarben anwende, dann sieht das Ergebnis für die Crayee Kalkfarben wie folgt aus:

Quelle: http://www.shabby-it-yourself.de/ombre-farbverlauf-kreidefarbe/




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