Guestblog Beitrag von Wolfram Herzog.

Die Oberflächenbehandlung mit Hartöl ist - richtig angewendet - eigentlich eine ganz einfache Sache. Trotzdem erreichen mich immer wieder Leserfragen zu diesem Thema weil zum Beispiel die behandelte Holzoberfläche „klebrig“ bleibt.

Hier zeige ich deshalb, worauf es nach meiner Erfahrung bei der Anwendung von Hartöl ankommt.

Es gab im vergangenen Jahr schon einmal einen Artikel zum Thema Oberflächenbehandlung mit Hartöl von mir, aber dennoch sind hier noch Fragen offen. Insbesondere wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie der Ölauftrag denn aussehen soll. Deshalb folgen hier einige ergänzende Informationen und entsprechende Bilder dazu.

Die Ausstattung

Um ein Hartöl zu verarbeiten, benötigt man eigentlich nur das Hartöl, einen weichen Pinsel und einen sauberen Baumwoll-Lappen der möglichst nicht fusselt. Für das spätere Abwischen ist das Tragen von Einmalhandschuhen empfehlenswert.
Wichtig ist auch eine nicht zu kalte Werkstatt – die meisten Hartöle sollten bei Temperaturen über 12 Grad verarbeitet werden.

Vorbereitung der Holzoberflächen

Die Holzoberflächen sollten fein gehobelt oder geschliffen sein. Wenn verschiedene Bauteile aneinander stoßen, so sollten auch deren Oberflächen gleich behandelt sein. Also entweder alles gehobelt oder alles geschliffen. Grund ist die unterschiedliche Aufnahmefähigkeit – das Hartöl zieht dann unterschiedlich tief ins Holz. Das kann leichte Farbunterschiede zur Folge haben.

In der Regel sind die Oberflächen geschliffen. Ich beginne hier mit 80er Körnung und arbeite mich dann über 120er und 180er bis 240er hoch.

Nach dem Schleifen ist es sinnvoll die Oberfläche zu entstauben, insbesondere wenn man während des Schleifens nicht mit einem leistungsfähigen Staubsauger abgesaugt hat. Hierzu haben sich handelsübliche Staubbinde-Tücher für den Haushalt bestens bewährt.

Auftragen des Hartöls

Es empfiehlt sich das Hartöl portionsweise in einen kleinen Becher zu geben. So ist sichergestellt dass die große Dose mit dem Hartöl nicht verschmutzt wird. Kommt Sägestaub und anderer Schmutz in die Hartöldose, so kann dieses verklumpen oder sich verfärben. In jedem Fall leidet die Verarbeitbarkeit.

Ich trage Hartöl immer mit einem weichen, breiten Qualitätspinsel auf. Dabei wird das Hartöl richtig dick aufgetragen, sodaß unmittelbar eine glänzende Schicht entsteht.

Idealerweise sind die Fläche alle waagerecht. Aber das ist natürlich nicht immer möglich. Wichtig ist dann, dass man senkrechte Flächen immer zuerst bearbeitet und erst danach die darunterliegenden waagerechten Flächen. So kann das herablaufende Hartöl dann auf der waagerechten Fläche weiterverteilt werden. An den Kanten muss man darauf achten, dass sich an der Unterseite keine Tropfnasen bilden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Kanten mit Hirnholz. Da hier besonders viel Hartöl von den Holzfasern aufgenommen wird, sollte man diese Stellen mehrfach einstreichen.

Danach gilt es zwischen 15 und 30 Minuten zu warten. bis sich in der Fläche erste matte Stellen bilden. Mit dem Finger kann man prüfen, ob das überstehende Hartöl eine etwas klebrige Konsistenz hat.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das überstehende, nicht ins Holz eingezogene Hartöl abzuwischen. Und die Sorgfalt mit der dieser Vorgang des Abwischens ausgeführt wird ist entscheidend für die resultierende Oberfläche.

Abnehmen des Überstandes

Dieser Arbeitsschritt ist der wichtigste, denn er entscheidet über die Qualität der resultierenden Oberfläche. Das Abwischen muss immer mit einem sauberen, saugfähigen Lappen erfolgen, Ich persönlich erhalte die besten Resultate mit feinen Baumwollstoffen die z.B. von alten T-Shirts oder Unterhemden stammen.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man den Kanten widmen. Gerade hier muss überschüssiges Hartöl sorgfältig entfernt werden, um später keine klebrigen Ecken zu bekommen. Ebenso sollte Hartöl das auf die Unterseite gelaufen ist, entfernt werden.

Als Auflage benutze ich hier Dreikantleisten, auf denen ich das Werkstück abstütze, ohne dass die mit Hartöl benetzten Flächen auf der Werkbank wieder verschmiert werden.

Beim Abreiben muss man regelmäßig den Lappen wechseln. Nur ein trockener Lappen hat genügend Saugkraft um das überschüssige Hartöl aufzunehmen. Sobald sich der Lappen dunkel färbt, ist es Zeit diesen durch einen trockenen Neuen zu ersetzen.

Alle Stellen die jetzt noch glänzen, müssen solange durch Reiben bearbeitet bis diese seidenmatt werden. Genauso müssen ganz matte Stellen noch ein wenig nachgerieben werden. Das Abreiben ist dann fertig, wenn die gesamte Oberfläche einen gleichmäßigen, seidenmaten Glanz hat.

Jetzt muß nur noch gewartet werden, bis das Hartöl entsprechend getrocknet ist. In der Regel sind hier 12-24 Stunden nötig, bis ein zweiter Auftrag erfolgen kann. Je nach Anspruch kann aber auch schon ein einmaliger Auftrag ausreichend sein.

Sonstige Hinweise

Beim zweiten Auftrag ist die Vorgehensweise identisch, allerdings wird in der Regel deutlich weniger Hartöl aufzutragen sein, um den glänzenden Auftrag zu erhalten.

Bei schmalen Bauteilen wie z.B. Schranktüren empfiehlt es sich, immer zuerst die sichtbare Aussenseite zu behandeln. Der Grund dafür ist ganz einfach: Falls doch übergelaufenes Hartöl Tropfen bildet, so sind diese an der Innenseite.

Zudem ist es sinnvoll, die Rückseite auf jeden Fall binnen 12-24 Stunden zu behandeln. Dann sind die übergelaufenen Hartölreste noch frisch genug, dass diese durch den nachfolgenden Auftrag des neuen Hartöls wieder angelöst werden. So sind diese beim nachfolgenden Abnehmen des Überstandes wieder wegzureiben.

Typische Fehlerquellen

Wenn eine mit Hartöl behandelte Oberfläche klebrig und stumpf bleibt, so hat dies zwei mögliche Fehlerursachen:

  • Es wurde beim Abreiben nicht sorgfältig genug gearbeitet. Gerade wenn der Lappen nicht rechtzeitig ersetzt wird kann es Probleme geben. Denn wenn dieser nicht mehr genügend aufnahmefähig ist, bleibt zu viel Hartöl auf der Oberfläche zurück, das dann nicht ordentlich aushärten kann.
  • Bis zum Abreiben des Überstandes wurde zu lange gewartet. Hier sollte man im Zweifelsfalle eher früher als später mit dem Aufnehmen des überstehenden Hartöls beginnen. Falls dann doch ungesättigte Stellen bleiben, kann man diese mit einem zweiten Auftrag behandeln.
  • Das verwendete Hartöl ist überaltert oder verschmutzt. Wenn bereits Verklumpungen im Hartöl schwimmen, ist das Risiko groß, dass das Gebinde überaltert ist.

War die Holzoberfläche zuvor schon einmal mit Lack oder Lasur behandelt worden, empfehle ich vom Einsatz von Hartöl Abstand zu nehmen. Selbst wenn der Lack von Oberfläche zuvor vollständig abgeschliffen wurde, gibt es immer wieder fleckige Resultate. Grund sind die tief im Holz steckenden Lösungsmittelreste.

Quelle: www.holzundleim.de




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